L ü b e c k


I M   K U L T U R Z E N T R U M   D E S   M I T T E L A L T E R S


Es ist schon ein wenig verwegen bis vermessen, diese wunderbare Stadt in einem Tag erkunden zu wollen ­– durch Reizüberflutung kann dies schnell zu einem stattlichen kulturellen Marathon ausarten. Nehmt Euch also reichlich Zeit, ideal ist es, den Rundgang auf zwei Tage aufzuteilen. Der Spaziergang führt zum überreichen hanseatischen Erbe Lübecks, zu den monumentalsten Kathedralen der Backsteingotik im ganzen Ostseeraum wie zu unseren ganz persönlichen kleineren Lieblingsskirchen, zu den schönsten historischen Straßen wie zu versteckten Gänge, die kaum zu finden sind, und weist den Weg zu unseren kulinarischen Lieblingscafés und kleinen Bistros. Nicht zuletzt schätzen die Lübecker sich glücklich, mit der »Hüxstraße« die charmanteste Einkaufsstraße Norddeutschlands  ihr eigen nennen zu dürfen.

      Reizvolle und gleichzeitig kürzeste Anfahrt über einsame Landstaßen L01 und Lo2. Anfahrt mit dem Auto etwa 30 Minuten.

O U T D O O R A C T I V E   L Ü B E C K


0 1   D E R  N O R D W E S T E N

Europäisches Hansemuseum, St. Jacobi, Koberg, Traditionshafen & Mengstraße

Die Erkundungstour der »Mutter aller Hansestädte« beginnt quasi bei den Ururur(...)großeltern, in dem derzeit spannendsten archäologischen Ausgrabungen – die ältesten sichtbaren dazu! Wie so oft in der Geschichte wurden heidnische Besiedlungsplätze von christlichen Siedlern überbaut, zu sehen unterhalb des Burgklosters, quasi im Untergeschoss des »Europäischen Hansemuseums« (Foto).

      Vom ufernahen Eingang des Museums »An der Untertrave«, mündet ansteigend die »Kleine Alte Fähre« in die hübsche Gasse »Kleine Burgstraße«, vorbei am »Kranen-Konvent« (Nr.22) einem der ältesten Backsteingiebelhäuser Lübecks, dass unter anderem als Armen- und Siechenhaus genutzt wurde, zum »Koberg«, einem der schönsten Plätze der Stadt. Über den vielen Hausfassaden der Renaissance (wie den schmucken ehemaligen Pastorenhäusern) und des Klassizismus erhebt sich die backsteingotische Seefahrerkirche »St. Jakobi«, die neben »St. Aegidien« (die später beschrieben wird) die Verwüstungen des 2. Weltkrieges unbeschadet überstanden hat und durch seine reiche Ausstattung besticht. 

      Bevor Ihr nun beim Verlassen von St. Jakobi , noch etwas benommen von dem Klang der »Königin der Instrumente« (siehe linke Spalte), wie die Orgel auch genannt wird, unter drei Schwibbögen die »Engelsgrube« erreichen, lohnt noch ein kurzer Blick auf einige Bürgerhäuser (Nr.2-8) an der »Breiten Straße«, die sich gegenseitig an repräsentativer Eleganz übertreffen. Freuen Euch nun auf weitestgehend erhaltene und durchsanierte Straßenzüge in denen quasi jedes Haus unter Denkmalschutz steht! Der Weg zum Museumshafen an der Trave, beginnend an der »Engelsgrube«, in der einst Seeleute (Nr.8) und deren Witwen (Nr.1-17) wohnten, führt vorbei an so idyllischen Gänge wie den »Sievers Thorweg« (Nr.31) oder den »Bäckergang« (Nr.43) und quert den »Engelswisch«, an dem einige Szenen der »Buddenbrooks«-Verfilmung gedreht worden sind, und passiert endlich die »Große Kiesau« und die »Fischergrube«, in der früher einfache Schiffszimmerer und andere Handwerker lebten.

      Mehr als ein Duzend historische Traditionssegler sind an der Kaimauer der Trave, dem sogenannten »Museumshafen« festgemacht – wenn sie nicht gerade – auf großer Fahrt sind. In diesem Bereich, bis etwa zum »Holstentor«, befand sich der ehemals wichtigste Hafen Lübecks, hier löschten in der Blütezeit der Hanse bis zu 2800 Koggen im Jahr ihre Ladung.

      Verlasst das Traveufer an der »Mengstraße«, eine der berühmtesten Straßen der Stadt. Superlative wie die größte backsteingotische Kathedrale im gesamten Ostseeraums, ein Symbol für Macht und Wohlstand der alten Hansestadt (bitte, bitte, ansehen!), befindet sich hier im oberen Bereich, ebenso das sogenannte »Buddenbrookhaus« gleich gegenüber (Nr.4). Einige historische Kontor- und Speicherhäuser (Nr.66-70) lassen sich in der unteren »Mengstraße« bewundern, etwa die älteste Weinhandlung Deutschlands »Tesdorpf«, leicht auszumachen an der hängenden Traube am Portal. Oder eben Deutschlands ältestem Verlags- und Druckhaus (Nr.16), das seit 1579 existiert. Die Straße hält neben Bausünden aus der jüngeren Zeit noch weitere beachtliche Portale, die teilweise mit Terracotten aus der berühmten Werkstatt von »Statius von Düren« stammen (Nr.27, Nr.52).


0 2   D E R  S Ü D W E S T E N

St. Marien, Rathaus, St.Petri, Salzspeicher & Holstentor

Gleich neben der in seiner Dimension einzigartigen Marienkirche (Foto) versteckt, nein triumphiert an der höchsten Stelle der Altstadthügels ein weiterer Prachtbau, mit dem einst die freie Reichsstadt stolz zeigen wollte, weshalb sie zum Haupt der Hanse erwählt worden war. Vom Markt aus präsentiert sich das »Rathaus« in seiner ganzen Schönheit, achtet einmal auf die herrliche Marktwand mit seinen zwei Windlöchern, ein genialer bautechnischer Trick um die Statik der Wand zu verbessern.

Nun geht es, die Kirche »St.Petri« ausnahmsweise links liegen lassend, über die Straße »Große Petergrube«, vorbei an beinahe komplett filmkulissenhafte, historischen Hausfassaden, die in 22 ehemaligen Kaufmannshäusern untergebrachte Musikhochschule passierend, leicht abfallend zur Trave. 

      An der verkehrsberuhigten und mit reizenden Prachtfassaden ausgestattete Uferstraße »An der Obertrave« geht es nun ins »Domviertel«. Am ehemaligen »Amtshaus der Stecknitzfahrer« (Nr.25-27) biegen Ihr in die »Hartengrube« ein, passiert ein weiteres, herausragendes Fachwerkhaus aus der Renaissance (Nr.20), gelangen dann an der »Parade« zu einem langgestreckten Gebäude, das im Stil der holländischen Backsteinrenaissance errichtete »Zeughaus«, ursprünglich als Waffenkammer errichtet (Nr.20) und erreicht endlich die älteste Kirche sowohl Lübecks als auch des gesamten Ostseeraumes: den »Dom«.


0 3   D E R  S Ü D O S T E N

Dom, Museumsquartier St. Annen, St. Aegidien, Hüxstraße & Fleischhauerstraße

Heinrich der Löwe setzte hier 1173 den Grundstein für ein beachtliches Monument des christlichen Glaubens, wie er sie zuvor auch schon in Braunschweig, Ratzeburg und Schwerin errichten ließ. Unterhalb der Westtürme (115m!) wird die schiere Masse des Doms besonders spürbar, seine Länge von 130m macht sie zu einem der längsten Backsteinkirchen der Welt. Leider brannte sie, wie auch St. Marien und St. Petri, im 2. Weltkrieg komplett aus. Eine kontemplative Pause ist im Innenhof der Kreuzgang aus dem 13.Jh. möglich.

      Völlig gefahrenlos führt der weitere Weg durch das »Fegefeuer« zum ehemaligen Nonnenkloster in der »St. Annen Straße«, für uns deutschlandweit eines der schönsten Museen. Es zeigt quasi das Innere des Lübecker Weltkulturerbes und beherbergt eine einzigartige Sammlung von mittelalterlichen Altären (Den Memling-Altar nicht verpassen, er ist der bedeutendste der Stadt) und etliche sakrale Skulpturen.

      Gleich neben dem Kloster steht die jüdische Synagoge, die in der »Reichspogromnacht« als eine der ganz wenigen nicht niedergebrannt wurde, weil der braune Mob ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Häuser fürchtete.

      Weiter geht es ins Aegidien-Viertel mit der kleinsten der Lübecker Altstadtkirchen »St. Aegidien«. In diesem Viertel lebten seit jeher viele Menschen, die der sozialen Fürsorge bedurften. Sichtbarer Ausdruck dessen findet sich heute in dem größten sozialen Wohnprojekt Schleswig-Holsteins, östlich der Kirche. Der »Aegidienhof« erstmals im 13.Jh. erwähnt ist ein kleines Idyll in der Innenstadt.

Die besagte Kirche ist unser heimlicher Favorit der Stadtkirchen, hat sie doch alle Wirren der Zeit schadlos überstanden, einzig die vermuteten gotischen Wandmalereien, die heute im Chor schon sichtbar sind, dürften im Kirchenschiff noch freigelegt werden.

       Nun ließe sich der Rundgang, der im folgenden eher einem Zickzackgang ähnelt, radikal abkürzen, allein: Ihr würdet den mit am spannendsten Bereich Lübecks schlicht verpassen! Als da wären die »Hüxstraße« und die »Fleischhauerstraße«, die mit ihren charmanten Lädchen und kleinen Bistros uns immer wieder faszinieren. (Foto oben: modernes Leuchtobjekt vor historischer Deckenmalerei im »Kaffeehaus«)


0 4   D E R  N O R D O S T E N

Dr.-Julius-Leber-Straße, Hundstraße Glockengießerstraße, St. Katharinen, Königsstraße & Heiligen-Geist-Hospital

An dem, durch seine ockergelbe Fassade auffallenden Gebäude, recht jung aus dem Anfang des 20Jh., das teilweise das traditionsreiche Gymnasium »Johanneum« beherbergt, verlasst Ihr die »Fleischhauerstraße« um dann gleich wieder in die »Dr.-Julius-Leber-Straße« einzubiegen. Auch in dieser Straße ist eigentlich jedes Haus als Denkmal gelistet, hervorzuheben vielleicht der »Haasenhof« (Nr.35-37), ein kleines barockes Juwel, das bedürftigen Witwen ein Zuhause gab. An der Ecke zur »Königsstraße«, in die Ihr wieder einbiegt, fällt der Blick auf eines der ältesten Backsteinhäuser Lübecks, die »Löwenapotheke«, datiert auf 1230. Ein geplanter Abriss wurde Ende des 19Jh. durch eine spektakuläre Spendenaktion verhindert.

Wer jetzt langsam ermüdet ist von so viel Weltkulturerbe, folgt einfach der »Königsstraße« in nördliche Richtung. Alle anderen entdecken im mittlerweile bekannten Schlingerkurs, der über die »Hundstraße«, »Tünkenhagen« und »Glockengießerstraße« führt, ein völlig authentisches, historisches Lübeck. Zwei beeindruckende Beispiele hanseatischer Stifterkultur lassen sich in der »Glockengießerstraße« besichtigen: der herrlich großzügig angelegte barocke »Glandorps Hof« (Nr.49) bot einst in Not geratenen Witwen eine Bleibe, und auch der noch etwas ältere »Flüchtingshof« (Nr.25) bezeugt nicht zuletzt den enormen Reichtum des Stifters. Ihr passiert das »Günther-Grass-Haus« (Nr.21) und erreicht an der ehemaligen Klosterkirche »St. Katharinen« wieder die »Königsstraße«, die Ihr in nördliche Richtung abzweigt.

       Hier zeigt sich die »Königsstraße« nun von ihrer schönsten Seite. Monumentale Kirchen, wie etwa der erste nachgotische Sakralbau Lübecks, die klassizistische »Reformierte Kirche«, darüber hinaus stattliche Bürgerhäuser, weitgehend originalgetreu historisch eingerichtet, können im »Museum Behnhaus Drägerhaus« besichtigt werden, das »Willy-Brandt-Haus« huldigt das Lebenswerk des Friedensnobelpreisträgers. In der Ferne wird die prächtige stadtseitige Fassade des »Burgtors« sichtbar, eines von drei hintereinander befindlichen Toren, teilweise über 800 Jahre alt mit einem barocken glockenförmigen Haubendach.

      Wieder am »Koberg« angekommen, bitten wir Euch noch ein letztes mal, Euer Haupt demütig zu heben vor einem der ältesten bestehenden Sozialeinrichtungen der Welt und eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt, das »Heiligen-Geist-Hospital«, entstanden 1286. Hinter dem sich zum Platz hin öffnende, zauberhaft filigranen Fassadenseite mit ihren vier schmalen Türmchen betretet Ihr eine dreischiffige Hallenkirche (Foto), aufwändig restauriert, dahinter schließt sich das »Lange Haus« an, in dem die Bewohner des Hospitals klosterähnlichen Regel unterworfen waren, sie erhielten Nahrungsmittel und seit dem 17. Jahrhundert acht Mal im Jahr ein warmes Bad.


Quelle: Wikipedia, Dehio, verschiedene Reiseführer

 

 

E I N S T I M M E N

S T .  J A K O B I

Unser Tipp: Ansehen! Und anhören! Jeden Samstag erklingt zwischen 17-17.30 auf der gewaltigen historischen Orgel mit reichlich originalem Pfeifenbestand, einem der weltweit bedeutendsten Musikinstrumente dieser Gattung, ein kostenloses Konzert

S U P - T O U R 

Diese wahrlich alternative Altstadtumrundung mit dem Stand-up-paddle-Board solltet Ihr nicht im Anschluss an den Stadtspaziergang unternehmen. Jedoch als  Extra-Tour ist sie sehr empfehlenswert! Lübecks hanseatischer Reichtum ist ohne das sie umgebende Wasser der Trave als wichtigster Handelsweg nicht vorstellbar. Wir umrunden die Trave-Insel am liebsten in den frühen Abendstunden und machen auch immer einen Abstecher in den Mühlen- und den daran anschließenden Krähenteich, von dem erst genannten sich der beste Blick auf den Dom bietet. Dauer: ca 1,5 Std.

E N G E L S B Ä C K E R E I

Wirklich hervorragende französische Tartelettes und andere süße Köstlichkeiten offeriert in direkter Nähe zur Musikhochschule die »Engelsbäckerei« (Große Petergrube Nr.8a)

H O L S T E N T O R

An der Obertrave angekommen lohnt der Abstecher zu zwei weiteren Highlights: das direkt am gegenüber liegenden Ufer befindliche Ensemble von Salzspeichern aus dem 16-18Jh., Salz das etwa im großen Umfang zur Konservierung von Hering benötigt wurde. Und ja, natürlich öffnet sich hier der Blick zu Lübecks Wahrzeichen: das wuchtige Holstentor, 1478 fertiggestellt präsentiert sich zur Stadt hin mit einer prächtigen Schaufassade, mit seinen Arkaden und den drei schmalen zentralen Türmchen erstaunlich filigran. Einziges Manko: der Autoverkehr beeinträchtigt den optischen Genuss ein wenig!

S T .  A E G I D I E N

Eine Besonderheit mit Alleinstellungsmerkmal ist der sogenante Singechor, eine kunstvoll geschnitzte Empore aus der Spätrenaissance von dem ehemals Chorsänger den Gottesdienst musikalisch bereicherten. Achtet einmal auf die detailliert herausgearbeiteten Figuren von dem seinerzeit berühmten Tönnis Evers d. J. an dem geschwungenen Treppenaufgang – entdeckt?

H Ü X S T R A S S E

Mahlzeit! Für den kleinen Hunger empfehlen wir das Kaffeehaus (Hüxstraße Nr.35, Foto oben), das

neben einem kleinen Angebot an herzhafTen Speisen vor allem wegen ihrer Kaffeespezialitäten bekannt ist und das Miera, eines der feinsten Restaurants der Stadt mit einer günstigen Mittagskarte (Hüxstraße Nr.57, Foto Mitte und Unten).

Der Suppentopf mit seinen täglich wechselnden, frisch zubereiteten Suppen überzeugt uns immer wieder in der nahen Parallelstraße (Fleischhauerstraße Nr.36). Dessertvorschlag: Mango Chili Sorbetto, Passionsfrucht mit Minze Sorbetto, Gerösteter Sesam mit Honig... allein für diese wirklich ausgefallenen Eissorten der Eisdiele Soulmade hätte Lübeck den Weltkulturerbestatus verdient! (Fleischhauerstraße Nr.61)

F R E I B A C K H A U S

Die älteste Bäckerei Deutschlands, das Freibackhaus in der Glockengießerstraße Nr.42 backt heute noch biologische Vollkornbrote, mehr oder weniger wie vor über 700 Jahren.